Parodontitis, fälschlicherweise im Volksmund noch immer Parodontose genannt, ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates.

Was ist eine Parodontitis?
Ein gesunder Zahn ist fest mit dem Kieferknochen verankert und hat keinen Lockerungsgrad. Verantwortlich dafür ist der Zahnhalteapparat. Dieser besteht aus dem Zahnfleisch, dem Kieferknochen, dem Wurzelzement und den Bindegewebsfasern.

Kommt es zu einer von Bakterien ausgelösten Entzündung, wird der Zahnhalteapparat irreversibel zerstört. Eine Parodontitis hat sich etabliert. Dieser chronische Prozess kann über Monate bis Jahre anhalten. Am Ende stehen ohne Behandlung eine erhöhte Lockerung und sogar der Verlust der Zähne.

Die Entwicklung einer Parodontitis bemerken Sie anfangs nicht. Eine Parodontitis geht ohne akute Schmerzen einher. Deshalb sollten Sie bei anfänglichen Warnzeichen wie Zahnfleischbluten oder Zahnfleischschwellungen Ihre Zähne immer frühzeitig untersuchen lassen.


Wie entsteht die Parodontitis?
In der Mundhöhle sind über 900 verschiedene Arten von Bakterien angesiedelt, die meisten von ihnen sind harmlos. Eine Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) entwickelt sich erst, wenn durch unzureichende Zahnpflege die Menge der Bakterien auf der Zahnoberfläche (Plaque) zunimmt. Bleibt die Plaque über einen längeren Zeitraum bestehen, kann sich eine Parodontitis entwickeln. Dann treten vermehrt auch gefährliche Bakterienarten auf.

Die Ursache für eine Parodontitis ist immer die Ansammlung von Bakterien in Form von Zahnplaque (Zahnbelag).

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Wird der zunächst weiche Zahnbelag nicht entfernt, verfestigt er sich durch Einlagerung von Mineralien und es entsteht Zahnstein. Zahnstein kann das Wachstum der Zahnplaque in Richtung Zahnwurzel fördern. Zwischen der Zahnwurzel und dem Zahnfleisch entsteht ein Spalt, die Zahnfleischtasche. Sie stellt einen idealen Lebensraum für Bakterien dar. Hier kann die Zahnbürste nichts mehr ausrichten.

Gifte aus dem Bakterienstoffwechsel gelangen in das benachbarte Zahnfleisch. Dort lösen sie eine Reaktion der körpereigenen Abwehr aus, eine Entzündungsreaktion. In der Folge kommt es zum Verlust von Weichgewebe und Knochen. Der Zahn verliert seinen Halt und wird locker.

Verlauf und Schweregrad der Erkrankung werden durch die Menge und Art der Bakterien bestimmt, sowie der Abwehrlage des Patienten und den vorhandenen Risikofaktoren. Sind viele aggressive Bakterien vorhanden und ist die Körpereigene Abwehr schwach, kann die Parodontitis sehr früh ausbrechen und schnell voranschreiten.

Die Parodontitis wird häufig zwischen dem 40. - 50. Lebensjahr diagnostiziert. Die ersten Krankheitszeichen sind aber schon ab dem 30. Lebensjahr sichtbar.


Welche Risikofaktoren sind für eine Parodontitis bekannt?
Die Immunabwehr kann durch folgende Faktoren geschwächt sein, z.B. Diabetes mellitus, Rauchen, Stress.
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Rauchen
Raucher erkranken bis zu 7-mal häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher. Der Verlauf der Erkrankung ist deutlich schwerer und es gehen mehr Zähne verloren als bei Nichtrauchern. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Tabakkonsum und dem Ausmaß der Parodontitis. Je mehr und länger geraucht wird, desto schwerer die Erkrankung. Die Wundheilung ist verzögert und die Erfolgsaussichten einer Parodontitisbehandlung sind vermindert.

Diabetes
Diabetiker müssen ihren erhöhten Blutzuckerspiegel entweder durch Medikamente oder durch entsprechende Ernährung senken und stabilisieren. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass eine nicht behandelte Parodontitis bei Diabetikern schneller und heftiger verläuft. Besonders problematisch sind dabei die schlecht eingestellten Diabetiker. Sie riskieren einen schnelleren Knochenabbau des Zahnhalteapparates, Wundheilungsstörungen nach Zahnentfernungen, Abszessen und Zahnfleischwucherungen.

Eine unbehandelte Parodontitis kann aber auch den Schweregrad des Diabetes beeinflussen. Zwischen der Erkrankung Diabetes und der Zahnfleischerkrankung Parodontitis besteht also eine sehr enge Wechselbeziehung. Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto kleiner ist das Risiko an einer schweren Parodontitis zu erkranken und umgekehrt je besser der Zustand des Zahnhalteapparates ist, desto einfacher die Kontrolle des Diabetes.


Welche Folgen hat die Parodontitis?
Ohne Behandlung kommt es zur Zerstörung des zahntragenden Gewebes und zur Lockerung und dem Verlust der Zähne. Auch solcher, die frei von Karies oder Füllungen sind. Die Folgen sind weniger Kaukomfort, ästhetische Veränderungen und die Anfertigung von aufwendigem und teuerem Zahnersatz.

Die Parodontitis ist nicht nur auf die Mundhöhle begrenzt. Der gesamte Körper leidet unter der unbehandelten Entzündung im Mundbereich. Ein erhöhtes Risiko für Herz - und Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall), sowie Komplikationen während der Schwangerschaft (Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht) könne die Folge sein. Aber auch künstliche Gelenke und Herzklappen sind durch die Bakterien der Parodontitis gefährdet.


Wie wird die Parodontitis erkannt? / Diagnose
Die Aussichten eine Parodontitis erfolgreich zu therapieren sind umso größer, je früher die Erkrankung erkannt und mit der Behandlung begonnen wird. Wichtiger Bestandteil der Parodontitisdiagnostik ist das so genannte Sondieren. Dazu wird an mehreren Stellen pro Zahn eine spezielle Sonde (Messinstrument mit abgerundetem Ende) zwischen Zahn und Zahnfleisch geführt und die Tiefe der vorhandenen Tasche gemessen und beurteilt. Werte über 3 mm deuten auf eine Parodontitis hin. Zusätzlich werden Röntgenaufnahmen des betroffenen Kieferabschnittes angefertigt.


Wie läuft die Parodontitistherapie ab?
Die Parodontitis kann durch eine systematische Therapie zum Stillstand gebracht werden. Ziel und Grundlage ist die vollständige Entfernung aller bakteriellen Beläge.

Vorbereitende Phase
In der ersten Sitzung werden die Ursachen und Folgen der Parodontitis erklärt. Sie erfahren von der Prophylaxeassistentin wie sie die Zähne und das Zahnfleisch bei der häuslichen Mundhygiene optimal reinigen.

Nur durch die Mitarbeit des Patienten kann eine Parodontitistherapie dauerhaft zum Erfolg geführt werden.

Anschließend erfolgt eine professionelle Zahnreinigung (PZR) und ein Mundhygieneprogramm für die tägliche Zahnpflege wird gemeinsam erarbeitet.

Konservative Phase / nicht-chirurgische Parodontitistherapie
Es werden die Zahnfleischtaschen behandelt. Mit speziellen Handinstrumenten und einem Ultraschallgeräten werden die harten und weichen Beläge auf den Zahnwurzeloberflächen schonend entfernt. Diese Behandlung wird unter lokaler Betäubung durchgeführt und ist völlig schmerzfrei. Eine anschließende Politur erschwert das erneute Anhaften der schädlichen Bakterien. Die Entzündung geht zurück und das Zahnfleisch legt sich wieder fest an die Wurzeloberfläche an.

Bakterienuntersuchung und antimikrobielle Therapie
In bestimmten Fällen hat es sich herausgestellt, dass eine begleitende antibiotische Therapie das Ergebnis der Parodontitistherapie wesentlich verbessert.
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Das gilt besonders bei Patienten
· mit einer sehr schweren Parodontitis
· die sehr jung sind (unter 30 Jahren) mit fortgeschrittener Erkrankung
· mit Allgemeinerkrankungen, z.B. Diabetes
· die trotz umfassender Therapie keine entsprechende Heilung des Zahnfleisches zeigen

Mit sterilen Papierspitzen wird die Plaque aufgenommen. Die Art und die Konzentration der Bakterien wird in einem Fachlabor bestimmt. Besonders aggressive Bakterien können dann mit ausgewählten Antibiotika behandelt werden. Die antimikrobielle Therapie ist immer unterstützend zur eigentlichen Parodontitistherapie anzuwenden. Gleich nach der konservativen Phase wird ein Rezept ausgestellt und das entsprechende Antibiotikum zu Hause in Tablettenform eingenommen.

Zwischenkontrolle
Einige Wochen nach der Behandlung ist das Zahnfleisch ausgeheilt. Die Notwendigkeit weiterführender Maßnahmen wird beurteilt und besprochen.

Chirurgische Parodontitistherapie - gesteuerte Geweberegeneration (GTR)
In wenigen Fällen, wenn die Zahnfleischtaschen anfangs sehr tief waren oder die konservative Therapie den gewünschten Erfolg nicht erbracht hat, ist ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig. Dabei werden die Wurzeloberflächen freigelegt und die tief liegenden weichen und harten Zahnbeläge unter Sicht entfernt.
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Durch enorme Fortschritte in der Parodontitistherapie kann heute mit verschiedenen Therapiemaßnahmen der zerstörte Zahnhalteapparat wieder regeneriert werden. Diese wiederaufbauenden Maßnahmen nennt man gesteuerte Geweberegeneration (Guided Tissue Regeneration, GTR).

Durch Beeinflussung des noch vorhandenen Gewebes kann eine Neubildung der verloren gegangenen Gewebeanteile ausgelöst werden. Es kommt zu einer Regeneration der wichtigen Bindegewebsfasern und des Kieferknochens, die Zähne werden wieder fester.

In einem kleinen chirurgischen Eingriff wird mit Hilfe einer Barrieremembran ein Hohlraum geschaffen, indem sich der Zahnhalteapparat ungestört regenerieren kann. Wurzelhaut, Wurzelzement und Knochen bilden sich unter dieser Membran neu.

Sind größere Knochendefekte infolge der Parodontitis entstanden, können diese zusätzlich mit Eigenknochen oder knochenähnliche Granulate aufgefüllt werden. Das Granulat wird dann vom Körper in Eigenknochen umgewandelt.

Bei kleineren Defekten kommen Schmelz-Matrix-Proteine zum Einsatz. Diese Wachstumsfaktoren werden in Form eines Gels auf die gereinigte Wurzeloberfläche aufgetragen. Die Neubildung des Zahnhalteapparates wird lokal gefördert.

Welches der Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der Defektsituation ab und wird individuell anhand der Röntgenbilder festegelegt.

Nachsorge / Unterstützende Parodontitistherapie (UPT)
Der langfristige Erfolg der Parodontitistherapie hängt in hohem Maße von Ihrer Mitarbeit ab. Durch eine optimale häusliche Mundhygiene und eine konsequente Betreuung durch unser Prophylaxeteam haben Sie die Chance, ihre Zähne dauerhaft gesund zu erhalten. In den Nachsorgeterminen werden Zähne und Zahnfleisch kontrolliert. In regelmäßigen Abständen werden die Zahnfleischtaschen gemessen und die Zähne im Rahmen der professionellen Zahnreinigung (PZR) gründlich gereinigt.

Die Häufigkeit der Nachsorgetermine richtet sich nach dem Schweregrad ihrer Erkrankung und den individuellen Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes). Dabei kann sich das Intervall zwischen 3 und 6 Monaten bewegen. Ohne die regelmäßige Nachsorge besteht die Gefahr, dass die Erkrankung wiederkehrt und die Zerstörung des Kieferknochens fortschreitet.


Nehmen Sie bitte Ihre Nachsorgetermine sehr ernst, es geht um Ihre Zahngesundheit!