Das Kausystem ist ein sehr komplexes Organ, mit den beiden Kiefergelenken, der Kaumuskulatur und den dazugehörigen Strukturen.

Dieses aufeinander abgestimmte System kann sich bis zu einem gewissen Grad auf Veränderungen im Kauapparat anpassen. Werden diese Grenzen überschritten, treten Funktionsstörungen auf, die so genannte Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD).

Symptomatisch für Dysfunktionen sind insbesondere
  • das Knirschen und Knacken in einem oder beiden Kiefergelenken
  • eingeschränkte Unterkieferbeweglichkeit
  • überhöhte Muskelaktivität mit Verspannungen in Kopf- Hals- und Schultermuskulatur
  • Kopfschmerzen / Gesichtschmerzen

Die Entstehung einer CMD ist nicht eindeutig zu erklären. Ursächlich kann aber eine muskuläre Fehlfunktion sein, akute Verletzungen als Folge eines Unfalls oder chronische Verletzungen, wie Zähneknirschen oder Pressen.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Unterkieferzahnreihe sich natürlicherweise in einem Abstand von nur 2-3 mm zum Oberkiefer befindet. Es besteht also nur Zahnkontakt beim Kauen oder Schlucken. Zahnsubstanz und Kaumuskulatur werden also fast über den gesamten Tag hin geschont.

Psychosozialer Stress kann aber zu unbewussten Anspannung der Kaumuskulatur führen. Die Folgen sind Pressen und Zähneknirschen (Bruxismus). Morgens sind dann kurz nach dem Aufstehen die Zähne und die Muskulatur schmerzhaft. Durch diese Überbelastung kommt es zu Absplitterungen und Aussprengungen am Zahnschmelz, die Kauflächen im Seitenzahnbereich verlieren ihre Kontur, Eckzähne und Frontzähne zeigen Abnutzungsfacetten. Falsch eingesetzte Füllungen, Prothesen oder Inlays können weiterhin als Auslöser fürs nächtliche Knirschen in Frage kommen.

Eine CMD kann aber auch Folge von schlechter Sitzhaltung z.B. am Computerarbeitsplatz, übermäßiges Kaugummikauen oder andere Gewohnheiten, wie Fingernägelkauen sein. Psychosoziale Störungen wie z.B. Angstzustände oder Depressionen sollten in der Krankengeschichte erfragt werden.

Die Diagnose wird meist mit der klinischen und/oder instrumentellen Funktionsanalyse gestellt. Dabei werden die Kiefergelenke und die Muskulatur manuell abgetastet und Funktionseinschränkungen und Schmerzpunkte dokumentiert. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Durchführung der Funktionsanalyse ist zum Beispiel der Gesichtsbogen. Dieser ermöglicht eine getreue Übertragung der Patientensituation auf individuell einstellbare zahntechnische Arbeitsgeräte (sogenannte Artikulatoren). So können mögliche Fehlkontakte zwischen den Zahnreihen analysiert und Schlussfolgerungen für die weitere Therapie gezogen werden.

Zu den häufigsten Behandlungsansätzen gehört die Schienentherapie (z.B. Michiganschiene). Nach Abformungen beider Kiefer und der Gelenkvermessung mit einem Gesichtsbogen wird im zahntechnischen Labor eine individuelle Schiene aus durchsichtigem Kunststoff gefertigt. In der Regel wird diese Schiene nachts getragen, wobei sie eine weitere Abnutzung der Zahnhartsubstanz durch Knirschen verhindert und zu einer Entlastung im Bereich der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes beiträgt.

Die Behandlung bedarf gegebenenfalls einer fachübergreifenden Therapie, wobei z.B. Haltungsschäden durch Orthopäden und Physiotherapeuten beurteilt und therapiert werden sollten. Liegen psychische Gründe vor, sollte man sich bei einem geeigneten Fachmann informieren.